Die Asche der Loyalität: Der Fall der Flammenmähne
Einst war ihr Leben ein Musterbild aus Stahl und absolutem Gehorsam. Als stolzes Mitglied der Königlichen Garde trug sie den makellosen Harnisch ihres Lehnsherrn, ihr Geist war geschmiedet durch die eiserne Disziplin des Hofes. Ihre Haare waren damals so farblos und unauffällig wie der graue Stein der Schlossmauern, in denen sie diente. Sie war ein perfektes Werkzeug der Krone – bis zu jenem Tag, als das Schicksal beschloss, sie in Brand zu stecken.
Es geschah ohne Vorwarnung, mitten während einer feierlichen Prozession zu Ehren des Königs.
Vielleicht war es der Druck der Verantwortung, vielleicht ein jahrzehntelang unterdrücktes Erbe, das nun seinen Tribut forderte. Die Feuermagie, die tief in ihrem Inneren geschlummert hatte, brach nicht einfach aus – sie detonierte. Chaos riss die Formation der Garde auseinander. Wo eben noch feierliche Stille herrschte, wütete nun ein Inferno aus unkontrollierter Hitze. Als sich der Rauch legte, stand sie unversehrt im Zentrum der Verwüstung. Doch sie war gezeichnet.
Die unbändige Hitze hatte ihre Haare in einem unnatürlichen, leuchtenden Rot zurückgelassen – das unübersehbare Siegel ihrer "Sünde".
Die Reaktion des Königs war prompt und gnadenlos. In seinem Reich wurde unkontrollierte Magie als Fluch angesehen, nicht als Gabe. Man nannte sie eine Verräterin, eine Gefahr für den Frieden. Man riss ihr die Insignien ihrer Ehre vom Leib und verstieß sie aus der Stadt. Die Kameraden, mit denen sie jahrelang Seite an Seite gedient hatte, sahen in ihr nur noch ein Monster.
Seit diesem Tag wächst in ihr ein Feuer, das weitaus heißer brennt als die Magie in ihren Adern: ein kalter, tiefer Hass gegen das Königreich und den König, der sie wie Abfall weggeworfen hat. Sie ist nicht länger eine Beschützerin des Throns. Sie ist der Funke, der darauf wartet, die Mauern, die sie einst bewachte, in Schutt und Asche zu legen.