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Die Zeit der Asche

Wesen des Zeitalters

Die Zeit der Asche ist das Zeitalter des großen Krieges gegen die Königsdrachen und ihre niederen Drachenheere. Spätere Lieder erzählen ihn oft als heroischen Befreiungskrieg. Elwische Chroniken beschreiben ihn als notwendige Erhebung gegen eine erstarrte Weltordnung. Viele kurzlebige Völker erinnern ihn dagegen als Zeit großer Opfer, in der ihre Ahnen unter elwischer Führung starben.

Alle Deutungen enthalten Wahrheit.

Die Zeit der Asche ist kein einzelner Kampf und kein plötzlicher Sieg. Er ist ein langer Zermürbungskrieg gegen Wesen, die nicht nur alt und mächtig sind, sondern selbst Teil der alten Weltordnung waren. Die Drachen werden nicht gestürzt, weil die Völker stärker sind. Sie werden gestürzt, weil die Elwen lernen, dass selbst Weltensäulen Grenzen besitzen.

Doch gerade darin liegt die Tragik dieses Zeitalters.

Die Völker kämpfen für Freiheit.
Die Elwen kämpfen für Zukunft.
Die Drachen kämpfen für Bewahrung.

Keine Seite glaubt, die Welt zerstören zu wollen.

Und doch wird die Welt durch diesen Krieg verändert.

Der Weg in den Krieg

Die Zeit der Asche beginnt nicht mit einem einzigen Aufstand. Er wächst aus vielen Eingriffen, vielen Demütigungen und vielen verbrannten Hoffnungen.

Eine Stadt wird vernichtet, weil sie zu groß wurde.
Ein Archiv wird ausgelöscht, weil es verbotenes Wissen sammelte.
Ein elwischer Zirkel verschwindet, weil er die Seele zu tief erforschte.
Zwergische Tiefenstollen werden versiegelt.
Menschliche Fürsten werden gezwungen, ihre Waffen niederzulegen.
Ganze Siedlungen werden auf alte Lebensweisen zurückgeworfen.

Lange versuchen die Elwen noch zu vermitteln. Sie sprechen mit den Drachen, warnen die Völker, mäßigen Forscher und zügeln Fürsten. Doch je länger die Herrschaft der Drachen dauert, desto deutlicher wird: Die Drachen werden nicht freiwillig weichen. Für sie ist Rückzug keine Einsicht, sondern Pflichtverletzung.

Für die Elwen wird daraus eine bittere Erkenntnis.

Solange die Drachen herrschen, wird Kankadas keine Zukunft haben, sondern nur eine verwaltete Gegenwart.

So beginnt der Widerstand.

Zuerst heimlich. Dann organisiert. Schließlich offen.

Die Strategie der Elwen

Die Elwen erkennen früh, dass ein Königsdrache in offener Schlacht kaum zu besiegen ist. Ein solcher Drache ist zu mächtig, zu alt und zu tief mit seinem Element verbunden. Er ist nicht einfach ein großes Ungeheuer. Er ist ein lebender Anker der Welt.

Doch selbst ein Königsdrache besitzt Grenzen.

Wenn ein Drache wütet, verbraucht er enorme Mengen Energie. Er kann Städte zerstören, Landstriche verwüsten, Armeen zerschlagen und Magie wirken, die für Sterbliche unvorstellbar ist. Doch danach braucht er Ruhe. Essen, Schlaf und Regeneration sind für Drachen keine Schwäche, sondern Teil ihres uralten Zyklus.

Je länger und heftiger ein Drache wütet, desto länger wird seine Ruhephase.

Die Elwen nutzen genau das.

Sie lernen, dem Zorn der Drachen nicht standzuhalten, sondern ihm auszuweichen. Sie bauen Verstecke, falsche Städte, unterirdische Schutzräume, Ablenkungsheere und Opferstellungen. Sie locken Drachen in vorbereitete Gebiete. Sie lassen sie wüten, bis deren Macht erschöpft ist.

Dann suchen sie ihre Ruheorte.

Während ein Königsdrache ruht, wird er von niederen Drachen bewacht. Diese sind noch immer furchtbare Gegner, aber sie sind keine Weltensäulen. Gegen sie können Heere kämpfen. Gegen sie können Völker sterben. Gegen sie können elwische Pläne greifen.

Der Drachenfall wird deshalb nicht durch Tapferkeit allein gewonnen.

Er wird gewonnen durch Geduld, Täuschung, Opfer und die Bereitschaft, den Zorn der Drachen gezielt auf jene zu lenken, die ihn überleben sollen — oder auf jene, deren Tod als notwendiger Preis betrachtet wird.

Die Rolle der kurzlebigen Völker

Die kurzlebigen Völker sind im Drachenfall unverzichtbar. Ohne ihre Zahl, ihre Arbeitskraft, ihre Heere, ihre Städte und ihre Opfer hätte der Krieg nicht gewonnen werden können.

Menschen stellen Armeen.
Zwerge bauen Tunnel, Bunker und Belagerungswerke.
Tiermenschen tragen Nachrichten durch Gebiete, die kein Heer durchqueren kann.
Andere Völker liefern Nahrung, Späher, Waffen, Schiffe und Blut.

Doch genau hier liegt die spätere Bitterkeit.

Die Elwen sind Strategen, Magier und Anführer. Die anderen Völker stellen oft die Masse der Kämpfer. Sie halten niedere Drachen auf. Sie locken Königsdrachen in vorbereitete Gebiete. Sie sterben in Schlachten, deren wahres Ziel sie manchmal nicht einmal verstehen.

Für viele ist das im Krieg hinnehmbar. Die Drachenherrschaft ist zu mächtig, um sie ohne Opfer zu brechen. Jeder weiß, dass der Sieg teuer sein wird.

Doch nach dem Krieg verändert sich die Erinnerung.

Was während des Kampfes als notwendige Disziplin galt, wirkt später wie Berechnung. Was als Führung galt, wirkt wie Herrschaft. Was als gemeinsamer Opfergang galt, wirkt wie ein Krieg, in dem die kurzlebigen Völker starben, während die Elwen planten.

So entsteht eine Frage, die Kankadas noch lange verfolgen wird:

Haben die Elwen die Völker befreit? Oder haben sie sie benutzt?

Die Wahrheit ist schwerer als jede einfache Antwort.

Sie taten beides.

Kassar Leovis

Kassar Leovis wird zur zentralen Figur des Drachenfalls.

Für die Elwen ist er Befreier, Feldherr und Gründer einer neuen Ordnung. Für manche kurzlebigen Völker ist er ein Held. Für andere ist er ein kühler Stratege, der ihre Ahnen in Schlachten führte, deren Preis nie vollständig benannt wurde.

Seine größte Stärke liegt nicht nur in Magie oder Kriegskunst, sondern in Deutung. Er versteht, dass ein Krieg gegen die Drachen nicht allein mit Waffen gewonnen werden kann. Die Völker müssen glauben, dass die Drachen nicht unantastbar sind. Sie müssen glauben, dass die Welt nicht den Wächtern gehört, sondern denen, die in ihr leben.

Kassar gibt dem Widerstand eine gemeinsame Erzählung:

„Die Drachen sind nicht die Welt. Die Welt gehört denen, die in ihr leben.“

Dieser Satz verändert Kankadas.

Er macht aus Angst Widerstand.
Er macht aus einzelnen Aufständen einen Krieg.
Er macht aus Untertanen Verbündete.

Doch seine größte Idee überlebt den Krieg auf eine Weise, die Kassar vielleicht selbst nicht vorausgesehen hat.

Denn wenn die Welt denen gehört, die in ihr leben, dann gehört sie nicht nur den Elwen.

Eines Tages wird dieser Gedanke gegen die elwische Nachkriegsordnung selbst gerichtet werden.

Der Fall der Königsdrachen

Nicht alle Königsdrachen fallen auf dieselbe Weise.

Manche werden körperlich getötet.
Manche werden gebunden.
Manche verschwinden.
Manche ziehen sich in unerreichbare Orte zurück.
Manche verlieren nur einen Teil ihrer Macht.
Manche werden so schwer verwundet, dass sie nicht länger als Wächter der Welt wirken können.

Für die Völker macht das zunächst kaum einen Unterschied. Entscheidend ist, dass die Drachenherrschaft bricht. Die Städte müssen nicht mehr in ständiger Angst vor drachischem Feuer leben. Archive können wachsen. Forschung wird möglich. Reiche entstehen. Straßen werden gebaut. Die Welt atmet auf.

Doch der Sieg hat einen verborgenen Preis.

Die Königsdrachen waren nicht nur Herrscher. Sie waren Weltensäulen. Sie hielten Teile der alten Ordnung zusammen, auch wenn die Völker diese Ordnung als Käfig empfanden.

Mit jedem gefallenen Drachen wird Kankadas freier.

Aber auch verletzlicher.

Orte, an denen Königsdrachen fielen, verändern sich.
Elemente verhalten sich unzuverlässiger.
Fremde Kreaturen erscheinen in entlegenen Regionen.
Magie wird stärker, aber auch unruhiger.
Alte Grenzen der Welt wirken dünner.
In Stova, wo Shizjen fällt, beginnen seine weltlichen Überreste sich in Aethelit zu verwandeln.

Die Völker verstehen diese Folgen zunächst nicht. Für sie ist der Sieg sichtbar. Die Wunden der Welt sind es nicht.

Shizjens Fall und die Trennung von Smerth

Unter allen gefallenen Königsdrachen besitzt Shizjens Fall eine besondere Bedeutung.

Shizjen ist der Königsdrache des Lebens. Sein Fall ist nicht nur ein militärischer Sieg, sondern ein Bruch in einem der tiefsten Gesetze der Welt. Dort, wo er fällt, bleibt nicht nur ein Schlachtfeld zurück. Es bleibt ein Erbe.

Doch Shizjen fiel nicht allein durch Stärke, Mut oder elwische Magie.

Der Schlüssel zu seinem Sturz lag in der Trennung von Smerth, dem Königsdrachen des Todes.

Smerth war nicht nur Shizjens Gefährtin. In vielen alten Überlieferungen wird sie als seine zweite Seele beschrieben. Leben und Tod waren in ihnen nicht Gegensätze, sondern zwei Hälften desselben uralten Kreislaufs. Wo Shizjen Leben gab, setzte Smerth Grenzen. Wo Smerth nahm, hielt Shizjen den Kreislauf offen. Gemeinsam waren sie mehr als zwei Drachen. Sie waren ein geschlossenes Gesetz.

Solange Shizjen und Smerth einander nahe waren, konnte keiner von beiden wirklich isoliert werden. Verletzungen heilten zu schnell. Erschöpfung wurde ausgeglichen. Jede Schwäche des einen wurde durch die Gegenwart des anderen aufgefangen. Gegen beide zugleich zu kämpfen bedeutete, gegen Leben und Tod selbst anzutreten.

Die Elwen erkannten das.

Darum war es Teil ihres Plans, die beiden voneinander zu trennen.

Während Shizjen in Stova gebunden und zum Wüten gezwungen wurde, lockten andere elwische Heere und verbündete Völker Smerth nach Nadir, in die Nachthemisphäre. Dort, fern von Shizjens unmittelbarer Gegenwart, wurde auch sie gestellt.

Smerths Fall war kein Nebenschauplatz des Drachenfalls. Er war eine Voraussetzung für Shizjens Niederlage.

Erst als der Tod vom Leben getrennt war, konnte das Leben verwundet werden.

In Nadir fiel Smerth.

In Stova fiel Shizjen.

Die Völker erinnerten sich später vor allem an Shizjens Tod, weil seine Rache die Welt sichtbar veränderte. Doch unter den Elwen galt lange eine andere Wahrheit:

Nicht Shizjens Fall entschied den Sieg allein, sondern die Trennung der beiden Seelen.

Die Elwen glaubten, einen der mächtigsten Wächter der alten Ordnung besiegt zu haben. Doch Shizjen starb nicht ohne Antwort.

Seine Rache war kein letzter Feuersturm und keine sterbende Armee. Sie war leiser, tiefer und gefährlicher. Er griff in das Gesetz der Seelenreife ein und legte einen Drachenfunken in die Blutlinien der kurzlebigen Völker.

Was zunächst niemand vollständig begriff, wurde später als Shizjens Geschenk bekannt.

Für die kurzlebigen Völker würde es wie ein Wunder erscheinen.
Für die Elwen würde es zur Katastrophe.
Für Shizjen war es Rache.

Denn mit diesem letzten Akt nahm er den Elwen das, was ihre Führung nach dem Krieg sichern sollte: ihr einzigartiges Verhältnis zur Magie.

Shizjens Fall beendete nicht den Drachenfall.

Er bereitete die nächste Spaltung vor.

Die neue Ordnung nach dem Krieg

Als die Drachenherrschaft fällt, entsteht kein freies und gleiches Kankadas.

Der Krieg wurde gemeinsam gewonnen, aber nicht gleich getragen, nicht gleich verstanden und nicht gleich erinnert.

Die Elwen bleiben die Führer.

Sie haben den Krieg geplant, koordiniert und gewonnen. Ihre Magie ist weiterhin einzigartig. Ihre Archive enthalten das Wissen des Krieges. Ihre Disziplin gilt als Grund für den Sieg. Viele kurzlebige Völker akzeptieren diese Ordnung zunächst, weil sie erschöpft sind, weil sie dankbar sind oder weil sie glauben, dass nur die Elwen verhindern können, dass die Welt nach dem Drachenfall im Chaos versinkt.

Aus Kriegsführung wird Nachkriegsordnung.
Aus Disziplin wird Verwaltung.
Aus Dankbarkeit wird Abhängigkeit.

Die Elwen sehen darin keine Tyrannei. Sie glauben, Verantwortung zu übernehmen. Sie glauben, dass Kankadas nach dem Sturz der Drachen Führung braucht. Sie glauben, dass ihre Erfahrung, ihre Magie und ihr Wissen sie dazu verpflichten.

Doch viele Völker empfinden zunehmend etwas anderes.

Sie haben nicht gegen Drachen geblutet, um danach wieder unter einer älteren Macht zu stehen.

Der Keim der nächsten Krise ist gelegt.

Ende des Zeitalters

Die Zeit der Asche endet mit dem "Drachenfall", dem Sturz der Drachenherrschaft und dem Sieg der vereinten Völker. Doch die Ordnung nach dem Krieg trägt bereits den nächsten Bruch in sich.

Die Elwen bleiben an der Spitze der neuen Welt. Sie erklären es mit Verantwortung, Erfahrung und Notwendigkeit. Viele Völker akzeptieren es zunächst. Andere schweigen. Wieder andere merken sich, wer im Krieg Befehle gab und wer starb.

Der Frieden nach dem Drachenfall ist deshalb kein echter Frieden.

Er ist eine erschöpfte Ordnung.

Unter seiner Oberfläche liegen Dankbarkeit, Schuld, Misstrauen, verletzter Stolz und die ersten Folgen von Shizjens letztem Geschenk.

Als die kurzlebigen Völker schließlich selbst Magie in ihren Blutlinien entdecken, beginnt die elwische Nachkriegsordnung zu zerbrechen.

Damit beginnt Die Zeit der Spaltung.

Besondere Ereignisse

Vereinigung der Völker unter einem Banner durch "Kassar Leovis"
Rebelion gegen die Königsdrachen -> Drachenkrieg
Der Fall von Smerth und Shizjen
Der Drachenfall