Sotheria – Die Eiserne Kassarin
Basis-Informationen
| Merkmal | Beschreibung | |
|---|---|---|
| Voller Name: | Sotheria aus dem Hause Solmiris | |
| Titel: | Kassarin des Soma-Imperiums, Begründerin des Heiligen Krieges, Architektin der Einschmelzung | |
| Alter: | ~520 Jahre (körperlich unverändert, geistig fragmentiert) | |
| Rasse/Volk: | Solwen (Lichtgeborene) | |
| Herrschaftszeit: | ~340 Jahre (die längste aller Emperatrices) | |
| Zugehörigkeit: | Ehemals Soma-Imperium – Thron zu Soma | |
| Status: | Lebendig – aber ihre Identität ist als „Sotheria" erloschen. Sie lebt jetzt als [[#Meya | Meya]]. |
Erscheinung
Als Sotheria – Die Makellose
Bevor sie fiel, war Sotheria die Verkörperung dessen, was die Solwen unter göttlicher Vollkommenheit verstanden.
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Größe | 1,82m |
| Hautfarbe | Sonngebrannt, leicht gebräunt von der Sonne Somas – ohne jeden Makel |
| Augenfarbe | Kaltgold – ein satter, metallischer Ton, dem jegliche Wärme fehlte |
| Haarfarbe | Gold, getragen in einem strengen, geflochtenen Kranz um den Kopf |
| Statur | Drahtig, aufrecht, von einer Präsenz, die Räume zum Erstarren brachte |
Sie liebte Schmuck und trug ihn mit stolzer Selbstverständlichkeit – Aethelit-Kristalle in filigranen Fassungen, goldene Armreife, Ketten, die wie flüssiges Licht über ihre Schultern flossen. Sie wusste genau, wie sie wirkte, und sie genoss es.
Ihre Gewänder waren gewagt, aufsehenerregend, oft mit aufwendigen Stickereien verziert, die ihre makellose Haut betonten, anstatt sie zu verbergen. Sotheria zeigte ihren Körper – nicht aus Eitelkeit allein, sondern aus Machtbewusstsein. Sie labte sich an den Blicken jener, die sich nach ihr verzehrten, und vor allem genoss sie die Blicke der Sklaven, wenn sie vor Ehrfurcht und Angst erzitterten. Sie mochte den Gedanken, dass sie als makellose Göttin über ihnen stand – unerreichbar, vollkommen, und sie allein ihrer Gnade ausgeliefert.
"Sie sehen mich an, als wäre ich die Sonne selbst. Und wer bin ich, dass ich ihnen diesen Glauben nehme?"
— Sotheria
Als Meya – Die Verstümmelte
Nach dem Kampf gegen Gwentin und ihrer Selbst-Versiegelung veränderte sich ihr Erscheinungsbild grundlegend:
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Größe | 1,82m (unverändert) |
| Hautfarbe | Braungebrannt – nun mit einer tiefen Narbe entlang der rechten Schulter |
| Augenfarbe | Kaltgold – weicher, unsicherer, als würde sie ständig eine Welt betrachten, die sie nicht versteht |
| Haarfarbe | Gold, zu einem langen, losen Zopf geflochten, der erst am unteren Ende des Hares zusammengebunden ist. Eine kleine, schlichte Spange hält den Zopf – ein Geschenk von Linorrus, das sie niemals ablegt |
| Verstümmelung | Fehlender rechter Arm – abgetrennt im Kampf gegen Gwentin. Die Wunde ist vernarbt, aber die Narbe ist tief und sichtbar |
Meya trägt ein schlichtes, bescheidenes Kleid aus grobem Leinen, darüber ein simpel gestricktes Überwurftuch, das sie über ihre Schultern legt. Das Tuch fällt so, dass es ihren fehlenden rechten Arm verdeckt – für den ersten Blick sieht es aus, als hätte sie den fehlenden Arm darunter verborgen. Nicht aus Täuschung, sondern aus dem Wunsch heraus, nicht angestarrt zu werden.
Persönlichkeit
Meya ist das genaue Gegenteil der Frau, die sie einmal war.
Wo Sotheria kalt und berechnend war, ist Meya gütig. Wo Sotheria herrschte, dient Meya. Sie ist liebreizend, verständnisvoll, bescheiden in jeder Geste. Sie hört zu, bevor sie spricht. Sie urteilt nicht.
Aber: Sie ist auch besonnen und diszipliniert – ein Echo ihres früheren Ichs, das tiefer sitzt als ihre Erinnerung. In Momenten der Gefahr trifft sie Entscheidungen mit einer Klarheit, die nicht zu ihrer Sanftheit zu passen scheint. Sie selbst kann es nicht erklären.
Das Trauma unter den Völkern
Meya erwachte ohne Erinnerung – aber nicht ohne Körper. Und ihr Körper verriet sie.
Solwen sind in den Ländern außerhalb des Imperiums verhasst. Die kurzlebigen Völker – Menschen, Zwerge, Goblins – haben die Einschmelzung nicht vergessen. Sie haben die Feldzüge nicht vergessen. Und sie erkennen einen Solwen am ersten Blick: die Größe, die bernsteinfarbenen Augen, die braungebrannte Haut.
Meya erfuhr Verachtung und Ablehnung, wo sie auch hinging. Menschen spuckten vor ihr aus, warfen Steine, verweigerten ihr Nahrung und Obdach. Sie wusste nicht warum. Sie wusste nur, dass sie anders war – und dass diese Anderssein sie zur Feindin machte.
Es war nur Linorrus zu verdanken, dass sie überlebte. Er trat zwischen sie und die Menge, die sie lynchen wollte. Er erklärte, dass sie nichts getan hatte, dass sie keine Gefahr war, dass sie nicht wusste, wer sie war. Und die Menschen hörten auf ihn – nicht, weil sie Meya vertrauten, sondern weil sie ihm vertrauten.
Ohne Linorrus wäre Meya tot – oder schlimmeres.
Linorrus
Auf ihren Wanderungen traf sie Linorrus – einen Abenteurer, dessen eigene Geschichte so voller Narben war wie ihre Seele. Er fragte nicht nach ihrem fehlenden Arm. Er fragte nicht nach ihrer Vergangenheit. Er sah nur, dass sie orientierungslos war, dass die Welt grausam zu ihr war, und er entschied sich, zu bleiben.
Aus dieser Begegnung wurde etwas, das Meya sich nie hätte träumen lassen: Liebe. Nicht berechnend. Nicht strategisch. Einfach da.
Linorrus war der Erste, der sie berührte, ohne Furcht. Der Erste, der sie beim Namen nannte, ohne Hass. Er gab ihr den Namen „Meya" – einfach, leise, ohne Bedeutung. Und Meya nahm ihn an, weil er sich anfühlte wie etwas, das sie nicht verdiente, aber brauchte.
Die Spange in ihrem Zopf war das erste Geschenk, das er ihr machte.
Das Weisenhaus
Gemeinsam gründeten Meya und Linorrus ein Weisenhaus – ein Zuhause für Kinder, die ihre Eltern in Kriegen oder durch Krankheit verloren hatten.
Der Ort war keine Schule im klassischen Sinne. Er war ein Zufluchtsort. Meya unterrichtete, ohne zu wissen, woher sie ihr Wissen nahm. Manchmal griff sie nach einem Buch und wusste sofort, was darin stand – als hätte sie es schon einmal gelesen, vor sehr langer Zeit, in einem Leben, das nicht ihres war.
Linorrus kümmerte sich um die Kinder, die Angst hatten – um die, die nachts schrien, um die, die nicht einschlafen konnten, weil die Erinnerungen an den Verlust zu frisch waren.
Meya sah diese Kinder an und spürte etwas, das sie nicht einordnen konnte: Schuld. Nicht bewusst, nicht benennbar – aber da. Wie ein Schatten, der nie ganz verschwindet.
Die versiegelten Erinnerungen
Meya weiß nicht, wer sie war. Und fast niemand weiß, wer sie ist. Die wenigsten hatten die Kassarin des Soma-Imperiums je zu Gesicht bekommen – und diejenigen, die es taten, würden eine verstümmelte, bescheidene Frau in einem groben Kleid niemals mit der strahlenden, grausamen Herrscherin in Verbindung bringen, deren Name in den Archiven getilgt wurde.
Aber manchmal – in seltenen Momenten, wenn das Licht auf eine bestimmte Art durch ein Fenster fällt, oder wenn ein Kind sie mit einer Frage ansieht, die zu tief geht – dann zuckt etwas in ihr.
Ein Echo. Ein Name, der fast einen Klang hat. Ein Gesicht, das wie eines aussieht, das sie einmal kannte.
Und dann ist es weg.
Persönlichkeit
Sotheria war nicht grausam im Sinne von Sadismus. Sie war kalkulierend – in einem Ausmaß, das selbst ihre engsten Berater erschreckte.
Grundzüge
| Eigenschaft | Ausprägung |
|---|---|
| Kaltblütigkeit | Absolut. Sie zeigte nie Wut, nie Freude, keine Trauer. Nicht weil sie diese nicht empfand – sondern weil sie sie für irrelevant hielt. |
| Entschlossenheit | Was sie entschied, war Gesetz – für andere wie für sich selbst. Sie änderte nie eine Entscheidung, auch wenn sie sich als falsch herausstellte. |
| Pragmatismus | Moral war für sie ein Werkzeug, kein Prinzip. Sie benutzte es, wenn es nützlich war, und verwarf es, wenn es hinderlich war. |
| Geduld | Sotheria dachte in Jahrzehnten, nicht in Tagen. Sie konnte fünfzehn Jahre warten, um einen Schlag auszuführen, den ihre Berater am ersten Tag gefordert hatten. |
| Grausamkeit | Nicht sadistisch – aber absolut. Sie tötete nicht aus Lust, sondern aus Zweckmäßigkeit. Und sie tötete immer mit einer Begründung, die niemand widerlegen konnte. |
"Mitleid ist ein Luxus, den sich nur jene leisten können, die nicht herrschen müssen. Ich habe ihn mir nie geleistet."
— Sotheria
Die Herrschaft
Sotheria im Drachenkrieg
Bevor sie die Solwen gründete, bevor sie Kassarin wurde, bevor ihr Name in den Archiven getilgt wurde – war Sotheria eine elwische Kriegsführerin im Drachenkrieg.
Während andere Elwen in den Wäldern blieben und die Bedrohung aus der Ferne beobachteten, zog Sotheria in den Krieg. Nicht, weil sie die Drachen hasste – sondern weil sie handeln musste. Für sie war der Krieg keine Frage der Überzeugung, sondern der Notwendigkeit.
Sie kämpfte an vorderster Front. Nicht mit Intrigen, nicht mit Diplomatie – mit Magie und Stahl. Und sie war gut darin. Zu gut, als dass die anderen Elwen sie hätten ignorieren können.
Der Rückzug und die Verweigerung
Als der Drache Shizjen fiel und seinen Fluch über die kurzlebigen Völker aussprach, erkannten die Elwen die Gefahr – und trafen eine Entscheidung, die Sotheria für Verrat hielt:
Sie zogen sich zurück.
Kampflos. In ihre Wälder. In ihre verborgenen Täler. Sie überließen die Welt dem Chaos, das Shizjen gesät hatte, weil sie glaubten, dass ein Eingreifen genau das wäre, was der tote Drache gewollt hatte.
Sotheria sah das nicht als Weisheit. Sie sah es als Schwäche.
"Ihr nennt es Berechnung. Ich nenne es Feigheit. Shizjen ist tot, aber sein Plan lebt – und wir lassen ihn gewähren, weil wir zu stolz sind, unsere Hände schmutzig zu machen."
— Sotheria vor dem Hohen Rat der Elwen
Die Abspaltung – Geburt der Solwen
Sotheria war nicht allein mit ihrer Überzeugung. Viele Elwen – besonders jene, die im Drachenkrieg gekämpft hatten, die das Blut der Drachen auf ihren Händen hatten – teilten ihren Zorn. Sie wollten nicht tatenlos zusehen, wie Shizjens Fluch die Welt veränderte. Sie wollten handeln.
Sotheria wurde ihre Anführerin. Nicht durch Wahl. Nicht durch Erbschaft. Sondern durch die schiere Kraft ihrer Überzeugung.
Sie führte ihre Anhänger fort von den Wäldern der Elwen, fort von der Passivität und der Geduld, die sie als Gefängnis sah. Sie zogen nach Soma – ins Zentrum des Kontinents Stova, wo die Sonne am intensivsten brannte, wo die Hitze für normale Wesen unerträglich war.
Dort, im Schoße des Kontinents, gründeten sie eine neue Nation: Soma.
Und sie gaben sich einen neuen Namen: Solwen – die Geküssten vom Licht.
"Die Elwen haben sich zurückgezogen. Wir nicht. Die Sonne hat uns nicht im Stich gelassen – also werden wir sie auch nicht im Stich lassen. Wir sind das Licht, das bleibt, wenn alle anderen sich in die Dunkelheit verkriechen."
— Sotheria bei der Gründung von Soma
Die Anpassung an Soma
Soma war kein Paradies. Das Klima war extrem – Temperaturen, die jedes andere Volk verdorrt hätten. Aber die Solwen waren Elwen, und sie nutzten ihre Magie und Alchemie, um sich anzupassen. Über Generationen veränderten sie sich: größer, kräftiger, lichtempfindlicher. Sie wurden zu dem Volk, das sie heute sind.
Und Sotheria wurde ihre erste Kassarin.
Die 340 Jahre
Sotherias Herrschaft war die längste, stabilste und gefürchtetste in der Geschichte des Soma-Imperiums.
| Phase | Zeitraum | Ereignis |
|---|---|---|
| Gründung | Jahr 1–30 | Aufbau Somas, Anpassung an das Klima, Konsolidierung der Solwen-Identität |
| Der Heilige Krieg | Jahr 30–180 | Feldzüge gegen magiebegabte kurzlebige Völker, Erfindung und Etablierung der Einschmelzung |
| Die Stille | Jahr 180–280 | Rückzug aus der Öffentlichkeit, Fokus auf Forschung und Seelensturm-Analyse |
| Der Verfall | Jahr 280–340 | Die Echos der Einschmelzungen zehren an ihrer Seele |
| Der Fall | Jahr ~340 | Kampf gegen Gwentin, Verlust des Arms, Verstoßung, Selbst-Versiegelung |
Die Erfindung der Einschmelzung
Die Idee
Sotheria erkannte als Erste, dass das Problem der verderbten Magie – jener Magie, die Shizjen den kurzlebigen Völkern geschenkt hatte – nicht durch Verbote oder Kriege zu lösen war. Sie brauchte einen Mechanismus, der die Magie direkt aus der Seele extrahierte.
Die Grundlage fand sie in den Seelenstürmen von Soliste – jenen natürlichen Phänomenen, die in der Nähe des Zentrums von Soma auftraten und Seelen auflösen konnten. Ihre Frage war einfach:
"Wenn ein Seelensturm eine Seele verbrennen kann – kann man ihn dann auch dazu bringen, nur einen Teil von ihr zu verbrennen?"
Die Entwicklung
Über fünfzig Jahre arbeitete Sotheria an der Antwort. Sie baute ein geheimes Labor auf der Insel Soliste, fern des Hohen Rates, fern selbst ihrer engsten Berater.
Was sie fand:
- Seelenstürme wirken selektiv – sie greifen jene Seelenteile an, die mit Aether-Energie verbunden sind.
- Mit der richtigen Frequenz und der richtigen Aethelit-Resonanz kann man den Sturm kanalisieren.
- Das Ergebnis ist keine vollständige Verbrennung – sondern eine Reinigung. Die verderbte Magie wird extrahiert, die Seele kehrt geläutert in den Zyklus zurück. Der Körper stirbt dabei – unweigerlich, aber schmerzlos.
Die erste Einschmelzung
Das erste Subjekt war Valmira Solmiris – eine elwische Fürstin, die Sotherias Abspaltung öffentlich als „Wahnsinn" bezeichnet hatte und sich weigerte, die Gefahr der verderbten Magie anzuerkennen. Valmira war kein Opfer der Politik – sie war ein Opfer ihrer eigenen Blindheit.
Der Prozess dauerte siebzehn Stunden. Valmira schrie nicht. Sie sprach kein Wort. Als es vorbei war, war ihr Körper zu Asche zerfallen, und die extrahierte Magie kristallisierte sich als dunkler, pulsierender Aethelit-Kern – ein Beweis, dass Sotherias Theorie funktionierte.
Der Kern wurde nach Soliste gebracht und in einer versiegelten Kammer unter dem Tempel der Ersten Flamme eingelagert. Dort sammelten sich über die Jahrhunderte hunderte weiterer Kerne – die extrahierte Magie aller, die der Einschmelzung zugeführt wurden.
Die Institutionalisierung
Sotheria machte die Einschmelzung nicht nur zu einer Waffe – sie machte sie zu einem Dogma:
"Die Einschmelzung ist keine Strafe. Sie ist eine Läuterung. Der Körper stirbt, aber die Seele kehrt rein zurück in den Kreislauf der Schöpfung. Wir richten nicht – wir heilen."
Diese Formulierung wurde zum fundamentalen Glaubenssatz des Soma-Imperiums und überdauerte Sotherias Herrschaft bis ins heutige Zeitalter.
Der Preis
Der Kampf gegen Gwentin
Was niemand im Imperium je erfuhr: Sotheria verlor nicht durch Altersschwäche. Sie verlor durch einen einzigen Menschen.
→ Die vollständige Geschichte Gwentins: Gwentin – Der Schicksalslose
Gwentin – geboren als Sklavenkind in Ant-Vandalin, ausgebildet als Gladiator, vom Imperium zum Fluch-Ritter gemacht und später vom Kaiserdrachen Tuman von seinem Fluch erlöst.
Er war ein Schicksalsloser – ein Eidbrecher. Ein Wesen, das außerhalb aller Vorherbestimmung existierte, geboren aus einem letzten Akt des sterbenden Schicksals selbst. Und genau das machte ihn zu dem, was kein Magier besiegen konnte: unzielbar.
Als Schicksalsloser konnte er nicht von Magie erfasst werden. Kein Magier konnte ihn als valides Ziel für seine Zauber setzen. Es war, als würde man ins Nichts greifen – die Hände schlossen sich um Leere. Keine Bindung zum Schicksal, keine Einträge in der Kernwahrheit, keine Fäden, an denen Magie hätte anknüpfen können.
Das bedeutete nicht, dass er unverwundbar war. Effekte, die in der Umgebung wirkten – ein brennender Boden, eine explodierende Rune, ein Seelensturm – konnten ihn sehr wohl treffen und verletzen. Aber kein Magier konnte einen Zauber direkt auf ihn richten. Kein Feuerball flog auf ihn zu. Kein Bann legte sich auf seinen Willen.
Gwentin trat Sotheria entgegen Allein.
Und Sotheria, die mächtigste Solwen ihrer Zeit, die Erfinderin der Einschmelzung, die drei Jahrhunderte lang mit Magie jede Bedrohung gebrochen hatte, musste feststellen, dass ihre gesamte ars wirkungslos war. Sie konnte ihn nicht vorhersehen. Sie konnte ihn nicht binden. Sie konnte ihn nicht verbrennen, nicht verfluchen, nicht brechen. Jede ihrer Attacken griff ins Leere.
Der Kampf tobte – und Sotheria, die Frau, die drei Jahrhunderte lang unbesiegt gewesen war, verlor.
Gwentin schlug ihr den rechten Arm ab. Nicht mit Magie. Mit etwas, das keine Magie brauchte: mit einer Entschlossenheit, die selbst Sotherias Kalkül überstieg.
Als sie am Boden lag, blutend, wehrlos, mit leerem Blick nach ihm aufblickend – da hätte er sie töten können. Ein einziger Schlag. Ein Ende.
Aber Gwentin hasste Sotheria zu sehr, um sie zu töten.
Denn in seinen Augen wäre der Tod Gnade gewesen. Und Gnade war etwas, das eine Frau wie sie nicht verdiente.
Er wollte nicht, dass sie einfach aufhörte zu existieren. Er wollte, dass sie lebte – und zusehen musste, wie alles, was sie aufgebaut hatte, sich gegen sie wandte. Er wollte, dass diejenigen, die einst vor ihr gekuscht hatten, sie nun jagten. Dass diejenigen, die ihr gedient hatten, sie verachteten. Dass ihr eigenes Volk sie verstieß, verfluchte, lynchte.
Er wollte, dass sie den Blick in die Augen derer sah, die sie als Göttin angebetet hatten – und in diesen Augen nur noch Abscheu fand.
Also ließ er sie liegen. Blutend. Verstümmelt. Lebendig.
"Sterben? Nein. Du wirst nicht als Mertyrärin sterben sondern als Jejagte, als Gefallene. Du hast ihnen den Kodex der Unversehrtheit gegeben. Du hast ihnen gesagt, dass Makellosigkeit göttlich ist. Und jetzt? Jetzt bist du befleckt. Jetzt wirst du das ernten, was du gesät hast. Du wirst dich selbst richten durch die Hand deines eigenen Volkes und durch die Lerhen die du ihnen eingetrichtert hast. Deine eigenen Kinder sollen dir die Kehle durchschneiden. "
— Gwentin, bevor er sie am Boden liegen ließ
Der Verlust der Makellosigkeit
Für das Volk der Solwen war körperliche Makellosigkeit nicht nur ein Ideal – sie war die Voraussetzung für göttliche Herrschaft. Ein verstümmelter Solwen war kein Makel im kosmetischen Sinne. Er war ein Befall der Seele. Ein Beweis dafür, dass die Sonne sich von diesem Körper abgewandt hatte.
Und genau das geschah, was Gwentin vorausgesehen hatte.
Als die Solwen Sotheria nach dem Kampf fanden – entstellt, blutend, mit abgetrenntem Arm am Boden liegend – konnten sie nicht akzeptieren, was sie sahen. Obgleich sie noch lebte, wollten sie sie auf der Stelle töten. Nicht aus Befehl. Nicht aus Politik. Sondern aus Entsetzen. Ihre eigene Göttin – verstümmelt. Befleckt. Unvollkommen.
Die Flucht
Sotheria rettete sich selbst – mit der letzten verbleibenden Kraft, die ihr Körper und Geist noch aufbringen konnten. Sie kämpfte sich fort, weg von jenen, die einst vor ihr gekuscht hatten und nun mit gezückten Waffen über sie herfielen.
Der Hohe Rat handelte sofort. Aber nicht, um sie zu beschützen.
Die Lüge
Der Rat befahl, sie zu jagen – und verpackte ihr Verschwinden in einer Lüge, die das Imperium zusammenhalten sollte.
Die offizielle Erzählung: Sotheria sei „in den Schoß der Sonne zurückgekehrt" – freiwillig, ehrenvoll, als göttlicher Akt.
Die Wahrheit: Ihre Göttin war in einem Kampf gegen einen einzigen Menschen unterlegen gewesen. Verstümmelt. Geschändet. Am Boden liegend, unfähig, sich zu verteidigen.
Diese Wahrheit hätte die Nation schwerer erschüttert als alles, was sie sich sonst vorstellen konnten. Der Glaube an die göttliche Vollkommenheit der Kassarin war das Fundament, auf dem das gesamte Soma-Imperium stand. Wenn dieses Fundament brach – wenn die Solwen erfuhren, dass ihre Göttin verwundbar war, dass sie besiegt werden konnte, dass sie befleckt war – dann würde das Imperium in sich zusammenfallen.
Die Wahrheit durfte nicht ans Licht kommen.
Die Jagd
Der Rat befahl einer Gruppe von Eingeweihten – Elite-Soldaten der Inquisition, Magier und Aufseher, die die ganze Wahrheit kannten – die Verfolgung Sotherias. Ihr Auftrag: Sotheria finden. Sotheria jagen. Sotheria hinrichten.
Nicht als Göttin. Als Bedrohung.
Sotheria floh. Und sie kämpfte.
Mit jedem Schritt, den sie tiefer in die Wildnis trug, tötete sie ihre Verfolger – einen nach dem anderen. Nicht mit der überlegenen Magie einer Kassarin. Mit dem rohen, verzweifelten Willen einer Frau, die nicht sterben wollte. Jeder Jäger, den sie tötete, war ein Spiegel – ein Abbild dessen, was sie selbst einst erschaffen hatte. Die besten Krieger ihres eigenen Imperiums, ausgebildet nach ihrem Kodex, bewaffnet mit ihrer eigenen Technologie, gejagt von ihrem eigenen Befehl.
Und doch waren sie nicht stark genug. Nicht für sie.
Die Grenze
Sotheria floh, bis sie das Gebiet des Soma-Imperiums hinter sich ließ. Jenseits der Grenzen, jenseits der Reichweite der Inquisition, jenseits der Sonne, die sie einst als ihre eigene bezeichnet hatte.
Dort, in einer Welt, die nicht die ihre war, traf sie die Entscheidung, die ihr Leben für immer veränderte.
Die Entscheidung
Sie würde ihr Leben als Sotheria beenden.
Nicht durch Tod. Nicht durch Einschmelzung. Sondern durch etwas, das weit endgültiger war:
Sie würde ihre eigenen Erinnerungen versiegeln.
Sie wusste, dass sie nicht einfach unter die Völker gehen konnte – die Völker, die sie jahrhundertelang verachtet, unterdrückt und eingeschmolzen hatte. Ihre Taten, ihre Erinnerungen, die Echos der Tausenden, die sie der Einschmelzung zugeführt hatte – all das brannte zu tief in ihrem Geist. Sie würde niemals unvoreingenommen leben können. Sie würde niemals Frieden finden, solange sie wusste, wer sie war.
Die Selbst-Versiegelung
Sotheria nutzte ihr tiefstes Wissen über Seelenstruktur – dasselbe Wissen, mit dem sie die Einschmelzung erfunden hatte – und kehrte es nach innen.
Sie nahm ihre gesamten Erinnerungen, ihre Identität, ihr Bewusstsein als Sotheria, und verschloss sie tief in ihrem Unterbewusstsein. Nicht gelöscht – versiegelt. Wie ein Buch, das in einer Kammer eingemauert wird. Der Schlüssel existiert, aber sie weiß nicht, wo er ist.
Was übrig blieb, war eine leere Hülle – ein Körper ohne Vergangenheit, ohne Namen, ohne Hass.
Nachfolge
Nach Sotherias Verschwinden übernahm Valeriana Solmiris den Thron – eine entfernte Verwandte, die vom Hohen Rat ausgewählt wurde, weil sie als formbar galt. Die Lüge von Sotherias „Rückkehr in den Schoß der Sonne" wurde zur offiziellen Doktrin – und jede Erwähnung ihrer Verstümmelung, ihrer Flucht oder ihrer Existenz als Meya wurde mit dem Tod bestraft.
Valeriana regierte 23 Jahre lang, bevor sie im Grenzkonflikt mit den Roiwen fiel – ein Ereignis, das den Weg für Soriave freimachte.
Die Einschmelzung überlebte Sotheria um Jahrhunderte. Sie wurde von jeder nachfolgenden Kassarin weitergeführt – mit unterschiedlicher Intensität, aber immer im Namen desselben Dogmas. Das Dogma, das eine Frau erschuf, die nicht mehr wusste, dass sie es erschaffen hatte.
Zitate
"Mitleid ist eine Lüge, die sich die Schwachen erzählen, um ihre Ohnmacht zu rechtfertigen."
— Sotheria, als sie noch Sotheria war
"Der Körper ist vergänglich. Die Seele ist ewig. Wer das eine opfert, um das andere zu retten, hat nichts verloren."
— Sotheria, als sie noch Sotheria war
"Ihr nennt mich grausam. Ich nenne es Mathematik. Ein Tod, der hundert verhindert, ist kein Mord – er ist Arithmetik."
— Sotheria, als sie noch Sotheria war
"Ich weiß nicht, warum ich weine, wenn ich dieses Kind ansehe. Es hat nichts getan. Es ist nur... da. Und ich fühle, als hätte ich ihm etwas genommen, bevor ich wusste, dass ich es habe."
— Meya, zu Linorrus, in einer stillen Nacht
Kanon-Status
| Feld | Wert |
|---|---|
| Tier | 2 (Fest etabliert) |
| Erstellt | 2026-04-08 |
| Letzte Änderung | 2026-04-08 |
| Autor | Benutzer |
Quellen & Verweise
- Shizjens Fall – Der Ursprung des Fluches der Magie
- Der Erste Magiekrieg – Sotherias Heiliger Krieg
- Die Einschmelzung – Sotherias Schöpfung
- Seelenstürme – Die wissenschaftliche Grundlage
- Soriave – Die aktuelle Kassarin (Nachfolgerin in der Linie)
- Soma-Imperium – Das Reich, das sie formte
- Gwentin – Der Schicksalslose – Sklavenkind, Gladiator, Fluch-Ritter, jener der Sotheria den rechten Arm abschlug
- Tuman – Kaiserdrache, Erlöser Gwentins (noch nicht vollständig dokumentiert)
- Linorrus – Abenteurer, Geliebter Meyas, Mitbegründer des Weisenhauses (noch nicht dokumentiert)