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Die Zeit der Spaltung

Wesen des Zeitalters

Die Zeit der Spaltung beschreibt den Zerfall der elwisch geführten Nachkriegsordnung. Sie ist die Epoche, in der die Völker Kankadas sich nicht mehr durch den gemeinsamen Feind vereint fühlen. Der Krieg ist gewonnen, die Drachenherrschaft gebrochen, und nun stellt sich die Frage:

Wer darf über die Zukunft Kankadas bestimmen?

Die Elwen glauben, die Antwort sei offensichtlich. Ohne ihre Führung wäre der Krieg verloren gewesen. Ohne ihre Magie, ihr Wissen und ihre Disziplin würde Kankadas im Chaos versinken. Sie sehen sich nicht als Tyrannen, sondern als jene, die die Welt vor einem erneuten Absturz bewahren müssen.

Die kurzlebigen Völker sehen das zunehmend anders. Sie haben geblutet, gebaut, gekämpft und gelitten. Sie wollen nicht nach dem Fall der Drachen unter einer neuen älteren Macht leben. Für sie klingt elwische Führung immer weniger nach Schutz und immer mehr nach Bevormundung.

So entsteht der eigentliche Kern dieses Zeitalters: Nicht der Hass auf die Elwen spaltet Kankadas, sondern die Frage, ob Macht ohne Reife geführt werden kann.

Shizjens Geschenk

In diese Spannung fällt Shizjens Geschenk.

Shizjen, der Königsdrache des Lebens, rächt sich nicht durch einen letzten Feuersturm und nicht durch eine Armee. Seine Rache ist tiefer. Er greift in das Gesetz der Seelenreife ein.

Bis dahin war Magie an Reife gebunden. Eine Seele musste wachsen, sich ordnen, Tiefe erreichen. Sie musste lernen, Verlangen, Angst, Stolz und Zorn nicht nur zu empfinden, sondern zu beherrschen. Erst dann konnte sie Magie tragen, ohne an ihr zu zerbrechen.

Die langlebigen Elwen erreichten diesen Zustand häufiger, weil ihr Leben ihnen Zeit gab. Jahrhunderte der Erfahrung, der Lehre, des Scheiterns und der Selbstbeherrschung formten ihre Seelen. Ihre Magie war deshalb nicht nur stärker, sondern auch tiefer, präziser und kontrollierter.

Kurzlebige Völker erreichten diese Reife selten. Nicht, weil sie wertlos waren, sondern weil ihr Leben schneller brannte. Ein Mensch konnte mutig, klug und großherzig sein, aber seine Seele hatte meist nicht die Jahrhunderte, um jene Tiefe zu entwickeln, die Magie ursprünglich verlangte.

Shizjen hebelt dieses Gesetz aus. Er legt einen Drachenfunken in die Blutlinien der kurzlebigen Völker. Plötzlich können Menschen und andere kurzlebige Völker Magie wirken, ohne den langen Weg der natürlichen Seelenreife gegangen zu sein.

Für viele ist das ein Wunder.
Für die Elwen ist es eine Katastrophe.
Für Shizjen ist es Rache.

Er nimmt den Elwen ihr größtes Machtmonopol.

Macht ohne Reife

Die Folgen sind gewaltig. In immer mehr Familien werden Kinder geboren, die Magie in sich tragen. Manche wirken einfache Kräfte. Andere zeigen erschreckende Begabung. Ganze Dörfer, Adelslinien und Stämme verändern ihren Status.

Ein Bauer, der einen magiebegabten Sohn hat, muss sich nicht mehr vor einem elwischen Verwalter beugen. Ein menschlicher Fürst mit magischen Erben betrachtet sich nicht mehr als abhängig von elwischer Beratung. Städte gründen eigene Schulen. Geheime Lehrmeister entstehen. Magie wird nicht mehr nur bewahrt, sondern gesucht, verkauft, vererbt und politisch eingesetzt.

Doch die neue Magie ist nicht stabil. Viele ihrer Träger besitzen Macht, bevor ihre Seele gelernt hat, diese Macht zu tragen. Manche verlieren die Kontrolle. Manche werden verehrt. Manche werden gefürchtet. Manche werden wahnsinnig vor Bedeutung, weil sie plötzlich glauben, die Welt habe sie persönlich erwählt.

Wo die Elwen Geduld, Maß und Zurückhaltung predigen, hören viele kurzlebige Völker nur noch die Stimme einer alten Macht, die ihr eigenes Vorrecht retten will. Gier, Hochmut, Ehrgeiz und gekränkter Stolz greifen um sich. Nicht überall. Nicht in jedem Volk. Nicht in jedem Magiebegabten. Aber oft genug, um die Ordnung ins Wanken zu bringen.

Aus Befreiung wird Anspruch.
Aus Anspruch wird Trotz.
Aus Trotz wird Krieg.

Die kurzlebigen Völker beginnen, einander ebenso zu fürchten wie die Elwen. Magiebegabte Blutlinien werden geheiratet, geraubt, gezüchtet oder ausgelöscht. Fürsten erheben sich gegeneinander. Städte brechen mit alten Bündnissen. Stämme, die im Drachenkrieg Seite an Seite standen, kämpfen nun um Land, Einfluss und magische Erben.

Die Spaltung verläuft nicht nur zwischen Elwen und kurzlebigen Völkern. Sie frisst sich durch ganz Kankadas.

Zerfall der elwischen Ordnung

Die Elwen versuchen zunächst, die Lage zu kontrollieren. Sie wollen Register, Schulung, Aufsicht und Beschränkung. In ihren Augen ist das keine Unterdrückung, sondern Schadensbegrenzung. Sie sehen, was geschieht, wenn eine unreife Seele Macht erhält, die sie nicht tragen kann.

Doch die Zahl der Magiebegabten wächst schneller als ihre Verwaltung. Jeder Versuch, Grenzen zu setzen, wird als Bevormundung gedeutet. Jede Warnung klingt nach Drohung. Jede elwische Anordnung erinnert die kurzlebigen Völker daran, dass sie gerade erst die Herrschaft der Drachen abgeschüttelt haben.

Bald lösen sich die kurzlebigen Völker von elwischen Anweisungen. Einige tun es friedlich. Andere gewaltsam. Wieder andere nutzen Magie zur Gründung eigener Reiche.

Für die Elwen wird die Lage zunehmend unhaltbar. Zwar sind ihre eigenen magischen Kräfte den neuen Gaben der kurzlebigen Völker meist weit überlegen. Ein erfahrener elwischer Magier kann oft mehr bewirken als Dutzende unerfahrener Menschenmagier. Doch dieser Vorteil reicht nicht aus, um ein ganzes Zeitalter aufzuhalten.

Die Elwen sind wenige. Sie werden selten geboren. Jeder Tod reißt eine Lücke, die nicht schnell geschlossen werden kann. Doch selbst der Tod ist nicht der einzige Verlust, den sie fürchten.

Für die kurzlebigen Völker ist eine schwere Verletzung meist ein persönliches Schicksal. Ein Mensch, der im Kampf einen Arm verliert, ist für seine Familie und sein Dorf ein tragischer Verlust. Doch nach wenigen Jahrzehnten stirbt er, und seine Kinder, Brüder oder Enkel können seine Stelle einnehmen.

Bei den Elwen ist das anders. Ein Elw, der im Kampf verstümmelt wird oder dauerhaft pflegebedürftig bleibt, schwächt nicht nur sich selbst, sondern die Handlungsfähigkeit seines ganzen Volkes. Wenn in einer Region nur zehn kampffähige Elwen leben und einer von ihnen einen Arm verliert, dann gibt es dort nicht mehr zehn voll einsatzfähige Elwen, sondern nur noch neun. Dieser Verlust bleibt nicht für eine Generation bestehen, sondern für Jahrhunderte.

Darum fürchten die Elwen nicht nur den Tod. Sie fürchten den langen Ausfall ihrer wenigen Körper. Ein Krieg gegen die kurzlebigen Völker würde sie vielleicht nicht sofort vernichten, aber er könnte ihr Volk langsam entkräften, bis von einer alten, mächtigen Kultur nur noch zu wenige übrig sind, um die Welt weiter zu führen.

Sie könnten Städte niederbrennen.
Sie könnten Fürstenhäuser auslöschen.
Sie könnten die neue Magie mit Gewalt unterdrücken.

Aber wozu?

Gegen Völker, die einst Verbündete waren. Gegen Menschen, Zwerge, Goblins und andere, die im Drachenkrieg an ihrer Seite geblutet hatten. Gegen jene, die sie befreien wollten.

Ein Sieg in einem solchen Krieg wäre kein Sieg. Er wäre nur der Beginn einer neuen Tyrannei.

Die Ratschlüsse der Elwen

Die elwische Führung zerbricht innerlich in mehrere Schulen, Ratschlüsse und Schwurbünde.

Die Hüter des Alten Bundes wollen die alte Ordnung erhalten und Magie streng kontrollieren. Für sie ist Shizjens Geschenk eine offene Wunde in der Welt, die versiegelt werden muss, bevor sie alles vergiftet.

Die Stillen Pfade erkennen, dass die elwische Vorherrschaft nicht mehr haltbar ist. Sie wollen ihr Volk aus einem Konflikt herausnehmen, der die Elwen langsam ausbluten lassen würde.

Die Brückenhüter suchen eine neue gemeinsame Ordnung mit den kurzlebigen Völkern. Sie glauben, dass Shizjens Geschenk nicht rückgängig gemacht werden kann und dass nur Vertrauen eine erneute Katastrophe verhindern könnte.

Die Eidwahrer des Drachenfalls sehen in Shizjens Geschenk eine Verderbnis. Für sie ist der Rückzug der Elwen kein Zeichen von Weisheit, sondern Verrat am Opfer des Drachenfalls. Sie glauben, dass die Elwen die Welt nicht befreit haben, um sie nun unreifen Händen zu überlassen.

Aus dieser letzten Gruppe entstehen später die Solwen.

Ende des Zeitalters

Die Zeit der Spaltung endet nicht an einem einzelnen Tag. Sie endet, als die elwische Ordnung faktisch zerbrochen ist. Die Elwen können die Völker nicht mehr geschlossen führen. Magie ist in der Welt verteilt. Alte Bündnisse lösen sich auf. Die kurzlebigen Völker wenden sich nicht nur von den Elwen ab, sondern auch gegeneinander.

Die meisten Elwen ziehen sich zurück. Sie erkennen Shizjens Plan und begreifen, dass ein offener Krieg gegen eine wachsende Überzahl magisch begabter Völker ihr eigenes Volk langsam zerstören würde. Ihre Magie mag tiefer und mächtiger sein, doch jeder Kampf kostet sie mehr als ihre Gegner. Jeder Verlust wiegt schwerer. Jede Verstümmelung bleibt länger. Jede Narbe wird zu einer Erinnerung, die Jahrhunderte überdauert.

So verlassen sie die große Bühne der Welt. Nicht, weil sie nichts mehr könnten. Nicht, weil sie keine Macht mehr hätten. Sondern weil sie erkennen, dass Macht allein nicht genügt, wenn jeder Einsatz dieser Macht das eigene Volk weiter zerreißt.

Doch ein Schwurbund weigert sich, den Verlust hinzunehmen.

Unter Führung einer alten Kriegerin aus dem Drachenkrieg zieht sie nach Stova, in die Wüste, in der Shizjen fiel. Dort, wo der Drache des Lebens sein Ende fand, suchen sie nach einem Weg, sein Geschenk aus der Welt zu brennen.

Dort beginnt die Geburt der Solwen und die Die Zeit der Läuterung wird eingeleitet.

Besondere Ereignisse

Der Rückzug der Elwen aus dem Weltgeschehen
Die Abspaltung der Solwen von den Elwen
Die Gründung des Soma-Imperiums
Die Entdeckung des Aethelits
Kriege unter den Kurzlebigen Völkern zur festigung der Machtverhältnisse